Liebe Leserinnen und Leser unseres Konti-Letters,
Die heutige Ausgabe enthält folgende Beiträge:
Es kann sich etwas ändern (von Stefan Eideloth)
Mitgefühl und Selbstfürsorge (von Jan Šedivý)
Warum gemeinsames Singen glücklich macht (von Birgit K.)
Neue Website des Vereins für Kontemplation e.V. (von Brigitte Schneider)
Es kann sich etwas ändern
Der Mensch kommt als ein leeres Blatt auf die Welt, und schon bald werden die ersten Zeilen darauf geschrieben. Eltern, Großeltern, Freunde, Klassen- und Vereinskameraden, Lehrer, Trainer, das Dorf, die Kultur – alle schreiben ihre Zeilen auf das Blatt. Äußere Umstände und persönliche Erlebnisse bleiben nicht ohne Wirkung, sondern konditionieren unser Denken und Verhalten von früher Kindheit an.
Auch Fußballvereine wissen das. Es gibt Kliniken, die einem bestimmten Verein unter ihrem Dach einen ihrer Kreißsäle gewidmet haben. Fans können hier gezielt ihre Babys zur Welt bringen in einem speziell für Eltern und Babys mit Fußball-Accessoires ausgestalteten Raum. Gleich nach der Geburt werden dann automatisch der Club-Teddybär, ein Paar Clubsöckchen und eine Urkunde überreicht. Die Urkunde kann sogar all den Neugeborenen zugeschickt werden, die es bis zur Geburt nicht bis in den Fußball-Kreißsaal geschafft haben. „Early Branding“ nennt man diese Marketingstrategie, frühes Brandmarken.
Mit einer Prägung entsteht nicht nur eine meist langanhaltende Verbindung, sondern oft auch eine Identität. Verschiedene Dinge sagen mir dann, wer ich bin oder wie ich sein soll. Aus den Clubsöckchen ergibt sich später die Anmeldung beim Verein, das Sammeln von Fanartikeln usw. Zugehörigkeitsrituale wie Halloween und Silvesterfeuerwerk, dazu Tik Tok Filmchen, Influencerbotschaften und Antiaging-Produkte, auf die 13jährige bereits abfahren – all diese Dinge können zu Puzzleteilchen werden, die die eigene Identität ergänzen.
Was uns prägt, kann meistens nicht so ohne weiteres wieder abgelegt werden wie ein Kleidungsstück, das mir nicht mehr gefällt oder das zu eng geworden ist. Was uns geprägt hat, ist in unserem Gehirn fest verankert. Dort können Vorstellungen, Bilder, Gedanken, Erinnerungen sich so verfestigen, dass sie auf Dauer unser Denken, Reden und Tun bestimmen. MRT-Aufnahmen bestätigen, dass eineinhalb Stunden Videofilm bereits eine strukturelle(!) Veränderung im Gehirn des Zuschauers hinterlassen. Unser Gehirn ist manipulierbar, ein formbares, plastisches Organ, das täglich, abhängig von dem, was ein Mensch erlebt, millionenfach neue neuronale Verbindungen herstellt und Strukturen aufbaut.
Auch tägliches Meditieren wirkt sich unmittelbar auf das Gehirn aus. Mittels neurologischer Untersuchungen bei ungeübten Probanden konnte nachgewiesen werden, dass bereits nach wenigen Wochen Meditationspraxis Gehirnareale gestärkt wurden, die für Achtsamkeit und selbstloses Handeln zuständig sind. Was in der kontemplativen Tradition seit Jahrtausenden bekannt ist, ist damit auch wissenschaftlich belegt: Unser Gehirn ist veränderbar. Das heißt aber auch, und das ist die gute Nachricht, dass schädigende neuronale Verbindungen im Gehirn sich auch wieder auflösen und neu organisieren können. Dazu benötigt unser Gehirn vor allem eines: Stille.
In der Kontemplation schaffen wir Raum für die Stille und ihre erneuernde Kraft. Im Stillwerden und Loslassen von Bewusstseinsinhalten bindet sich unsere Seele an eine Ebene des Bewusstseins, die tiefer „liegt“ als unsere Prägungen, Ängste, Sorgen und Zweifel. Es geht um die Verbindung mit unseren Wesenskräften wie Vertrauen, Friede und Freude. Diese Kräfte werden im Kontakt zu unserem Wesenskern geweckt.
Meditation und Stille haben eine positive, erfrischende und reorganisierende Wirkung auf unser Gehirn. Seelische Verkrustungen können aufbrechen und negatives Denken kann sich auflösen. Auf dem spirituellen Weg können wir unser Herz und unseren Blick wieder frei bekommen für die Liebe, die uns so oft und in so vielen Dingen begegnet. Prägungen und Marketing-Strategen verlieren ihre Macht über unser Leben. Wir werden aus einer, so die Bibel, „von den Vätern ererbten Lebensweise befreit“, können aus einer Sackgasse im Leben wieder herausfinden und zu einem neuen Leben erwachen.
Stefan Eideloth
Mitgefühl und Selbstfürsorge
„Mitgefühl ist keine Luxusgüte,
sondern eine Notwendigkeit
für das Überleben der Menschheit.“
Dalai Lama
Unsere Zeit ist geprägt von Leistungsdruck im Sinne von „mehr, schneller, effizienter, erfolgreicher“. Dies ist eine Stressquelle für viele Menschen und Ursache für Leid. Hinzukommen Ängste, Ärger, Überforderung, finanzielle Sorgen und Probleme in der Familie. Erfolg und Effizienz wird oft über die Menschlichkeit gestellt. Nachrichten über Krisen, Konflikte und leidende Menschen, die uns täglich erreichen, führen dazu, dass viele abstumpfen.
Das Gegengewicht zu dieser Kälte ist das Mitgefühl. Es erinnert uns daran, dass wir miteinander und untereinander verbunden sind. Wir sind nicht isolierte Einzelwesen, sondern im Einssein verbunden wie die Zweige auf dem Baum des Lebens.
Mitgefühl ist ein stilles „Ich bin da für dich“. Wer mitfühlt, versetzt sich in die Lage des anderen Menschen. Er urteilt nicht und wertet nicht, sondern ist bereit zu handeln, wenn Hilfe gebraucht wird. Mitgefühl schafft Verbundenheit und macht uns menschlicher. Damit ist es mehr als Mitleid, das nur den Schmerz sieht. Mitgefühl verändert den, der es empfängt und auch den, der es gibt. Es verbindet sogar Menschen, die sonst nie zueinander gefunden hätten.
Doch Mitgefühl bezieht sich nicht nur auf andere Menschen. Es ist genauso wichtig, Mitgefühl sich selbst gegenüber zu entwickeln. Viele Menschen behandeln sich selbst mit einer Härte, mit der sie niemals einem Freund begegnen würden. Sie kritisieren hart sich selbst, ihr eigenes Verhalten und die Ergebnisse ihrer eigenen Arbeit. Dies verursacht viel Stress.
Jedes Mal, wenn wir zu uns selbst sagen: ich bin dumm oder ich mache alles falsch, ich bin ein Versager, verursacht dies den gleichen Stress, als wenn uns ein anderer Mensch angreifen würde. Unser Gehirn kann nicht zwischen einem Angriff von innen und außen unterscheiden. Mitgefühl mit sich selbst bedeutet: Sich selbst mit Freundlichkeit und mit Verständnis zu begegnen. Eine Schwäche zu haben oder Fehler zu machen gehört zu einem jeden von uns. Wir müssen nicht perfekt sein und wir dürfen uns erlauben unvollkommen zu sein. Wir sind dennoch wertvoll! Forschungen zeigen, dass Menschen mit hohem Selbstmitgefühl weniger Angst haben, weniger Depressionen und sind zufriedener. Selbstmitgefühl ist keine Schwäche, es ist eine Form von Stärke, von Selbstfürsorge.
Wie kultivieren wir Mitgefühl mit uns selbst? Beginnen wir damit, unsere innere Stimme zu beobachten. Wie rede ich mit mir selbst? Wenn die innere Stimme verurteilt oder hart kritisiert, können wir uns bewusst entscheiden, verständnisvoll mit uns selbst umzugehen. Anstatt uns zu beschimpfen oder zu kritisieren können wir uns bewusst machen, was wir in einer vergleichbaren Situation zu einem Freund sagen würden, wenn er den gleichen Fehler gemacht hätte. Dann fällt es uns leichter zu uns selbst zu sagen: „Das war ein Fehler, was kann ich daraus lernen?“ Zu Selbstmitgefühl gehört auch, dass wir uns selbst verzeihen können.
Mitgefühl für sich selbst zu haben beinhaltet, ja zu sagen zu dem Menschen, der wir sind. Selbstmitgefühl ist kein Egoismus, sondern Ausdruck der Fürsorge für das Leben, das uns anvertraut ist.
Jan Šedivý
Schritt für Schritt
Zuflucht noch hinter der Zuflucht
Hier tritt ungebeten nur der wind durchs tor
Hier
ruft nur gott an
Unzählige leitungen läßt er legen
Vom himmel zur erde
vom dach des leeren kuhstalls
aufs dach des leeren schafstalls
schrillt aus der hölzernen rinne
der regenstrahl
Was machst du, fragt gott
Herr, sag ich, es
regnet, was
soll man tun
Und seine antwort wächst
grün durch alle fenster
Reiner Kunze (für Peter Huchel)
Nur von Verwandelten können Wandlungen ausgehen.
Sören Kierkegaard
Quellen des Glücks:
Warum gemeinsames Singen glücklich macht
Als ich damals vor vielen Jahren als absolute Anfängerin zum ersten Mal bei einer Probe meines jetzigen Laienjazzchores teilnahm, wusste ich zunächst nicht was mich erwartet. Ich kannte nicht einmal meine Stimmlage und war seit meiner Jugend bis dahin der festen Überzeugung, ich hätte einfach „von Natur aus“ keine tragende Stimme, sei jedoch musikalisch und träfe wenigstens die Töne…schon nach den ersten Takten war mir klar: es geht nicht um sofortige Perfektion, sondern um Freude am Klang – und um das großartige Gefühl, gemeinsam Musik entstehen zu lassen. Im Chor zu singen, bedeutet immer, Teil eines lebendigen Ganzen zu sein, gemeinsam zu atmen, gemeinsam über Verpatztes zu lachen, aufeinander zu hören und durchlässig zu sein für alle anderen Simmen, die jeweils einmal führen, dann wieder begleiten oder sich wie ein Klangteppich unter die anderen legen. Wenn dann die Akkorde und Rhythmen plötzlich zu „grooven“ beginnen, wenn „es stimmt“, dann spüre ich Gänsehaut, Glück, Einheit – hörbar, spürbar, energetisierend. Nach der Probe radle ich regelmäßig mit einem Lächeln und voller Energie nach Hause – und stets mit einem Lied im Ohr, das ich dann auch bis mindestens zuhause vor mich hin trällere – ich kann nicht anders!
Birgit K.
Wie wär’s mit Chorsingen ??
siehe BR-Beitrag
Elfchen zum Thema Chorsingen
Chorsingen
gemeinsam lebendig
enthoben vom Alltag
durchlässig sein ganz da
KLANGBADEN
Birgit K.
Neue Website des Vereins für Kontemplation e.V.
Liebe WegbegleiterInnen und Wegbegleiter,
viele kennen uns schon seit Jahren und haben bestimmt schon oft unsere website
www.schweigemeditation.de besucht, nach Kursen gesucht, Texte als Inspiration gefunden oder
einfach auch mal Kontaktdaten nachgeschaut.
Diese website ist nach Jahren immer noch schön gewesen, aber technisch nicht mehr auf dem
aktuellen Stand der notwendigen Sicherheit, um stabil alle Informationen für euch zur Verfügung
zu stellen. Wir haben also im Verein beschlossen, hier alles komplett neu aufzusetzen und sowohl
die Grafik als auch die technische Nutzbarkeit auf ein neues Level zu heben.
Das kostet neben sehr viel Überlegungen und Entscheidungen auch Geld. Wir haben eine sehr
geduldige und einfühlsame, professionelle Betreuung, die unsere Wünsche umsetzt und uns berät.
Und das schon seit vielen Jahren!
Und da gab es sehr viele ehrenamtliche Stunden, um Fotos, Texte, rechtlich Notwendigkeiten und
viele Kleinigkeiten an die richtige Stelle zu setzen. Wir haben im Zuge dieser Neugestaltung unsere
Satzung überarbeitet und die Möglichkeiten, wie man uns mit Zeit und Geld unterstützen kann.
Warum das Ganze?
Wenn wir weiter als Verein die spirituelle Wegbegleitung ernstnehmen, müssen wir auch eine
technisch sichere, digitale Präsenz zeigen. Damit wir die Kurse, die Kursleitungen, Kurshäuser und
für Euch wunderbare Texte zur Inspiration bereitstellen können.
Eine lange Zeit der Vorbereitung ist nun zu einem Ende gekommen, wir sind „live“ mit der neuen
website und mit einem besonderen und zu uns passenden leisen Instagram Account. Auf Instagram
gehen wir bewusst den Weg, nur kurze Impulse der Achtsamkeit zu setzen. Nicht mehr und auch
nicht weniger.
Die Website ist „live“, heißt auch, dass sie ab jetzt online zu sehen ist und auch immer im
Hintergrund aktualisiert wird, neue Texte erhält, so dass es sich immer wieder lohnt, hier zu
stöbern!
Und wer noch kleine Fehler finden sollte, die wir bisher übersehen haben, sendet diese Info sehr
gern direkt an mich: brigitte@schweigemeditation.de
Was mir aber noch sehr wichtig ist, mehr als alles eben Beschriebene:
DANKE Elmar, dass du uns allen deine Zeit schenkst und von unserer professionellen Webmasterin
ständig Neues lernst und immer geduldig und nachhaltig weiter gehst, um unsere Webpräsenz
überhaupt zu ermöglichen!
Mit fröhlichen Grüßen – seid neugierig!
Brigitte Schneider
www.schweigemeditation.de
www.instagram.com/schweigemeditation.de/a>
