Stefan Eideloth

Ich erinnere mich, dass ich als Kind am frühen Abend gerne in meinem Zimmer saß und dabei dem Gesang einer Amsel lauschte. Da war nichts als dieser friedvolle, hingebungsvolle Gesang und etwas, das mich damit verbunden und in seinen Bann gezogen hat. Ein andermal saß ich nach einem Mittagessen zuhause vor unserer Haustür und wusste nicht so recht, was ich tun sollte. Plötzlich war da wieder diese friedvolle Verbundenheit mit dem Garten, der warmen Luft, der Steintreppe unter mir … Es fehlte nichts. 

Die Stille ist für mich der wunderbare Augenblick des Innehaltens, des Lauschens und des Entzogenseins aus dem Bann der Gedanken, der Sorgen und der Selbstbehauptung. Mich der Stille zu überlassen, heißt für mich, mich einer Kraft anzuvertrauen und zu überlassen, die ein Teil von mir ist und von der ich ein Teil bin, untrennbar; eine Kraft, die alles, was in meinem Leben geschieht, in geheimnis- und liebevoller Weisheit integrieren kann, um mich auf einem nicht endenden Weg Individuum und zugleich durchlässig werden zu lassen für sich selbst.

Die Verbundenheit mit dieser Kraft ist für mich die Verbundenheit mit unser aller göttlichem Wesenskern. Wohin könnte ich gehen oder was irgendwo suchen, wenn das, was Erfüllung schenkt, schon immer da ist! Ein Vers von Angelus Silesius trifft für mich den Nagel auf den Kopf: „Wie töricht tut der Mensch, der aus der Pfütze trinkt, und die Fontäne lässt, die ihm im Haus entspringt.“

Meine ersten Kontemplationskurse machte ich bei dem Jesuiten Franz Jalics. Mitte der 90er Jahre wurde ich Schüler von Jan Sedivy. Von ihm habe ich die Lehrbefugnis erhalten. Alles andere ganz kurz: geboren 1962, verheiratet, Theologie- und Lehramtsstudium für Realschule, Ergänzungsstudium zum Beratungslehrer, finde Jugendliche ehrlich und cool, spiele in einer Band, singe in einem Jazzchor, bin Vorsitzender in unserem Verein für Kontemplation. Mein Lieblingsspruch: „Alles wird“.