Jeder von uns ist beinahe pausenlos irgendwie mit seiner Außenwelt verlinkt. Es geht um Bereiche in unserem Leben, die für uns eine wichtige Rolle spielen, wie zum Beispiel unsere Arbeit, die Familie, Freunde, Hobbies, soziale Medien usw. Auch in der Meditation ist unser Alltag in unterschiedlichen Facetten in unserem Bewusstsein gegenwärtig – in Form von Gedanken, Bildern und Themen, die in der Stille in uns auftauchen. Was uns dabei immer wieder beschäftigt, konzentriert sich auf drei Kernfragen: „Was muss ich haben?“, „Wie muss ich sein?“ und „Was muss ich tun?“ In der Stille kommt es nun darauf an, dass wir das, was uns an Vorstellungen und Fantasien gerade durch den Kopf geht, immer wieder loslassen, und wir uns so für eine tiefere Wirklichkeitsebene öffnen.
Was muss ich haben?
Natürlich müssen wir bestimmte Dinge besitzen, um uns entfalten und unseren Alltag bewältigen zu können. In unserer Übung lassen wir jedoch bewusst alle Gedanken und Bilder, die vom Habenwollen gefärbt sind, los. Es geht um eine Seins- und Selbsterfahrung, die nicht mit Sicherheit oder dem Besitz von immer mehr materiellen Dingen zu tun hat, sondern mit innerem Frieden und einem unbedingten Vertrauen ins Leben.
Wie muss ich sein?
In der Stille tauchen auch immer wieder Bilder und Gedanken auf, in denen es darum geht, wie wir uns oder wie andere uns gerne hätten. Im Hintergrund steht der Wunsch nach Ansehen und Angenommensein. In einem inneren Läuterungsprozess geschieht Aufarbeitung unserer Vergangenheit und Befreiung von schädlichen und lieblosen Selbstbildern. Zugleich lernen wir, uns selbst und andere mit mehr Verständnis und Wohlwollen zu begegnen und anzunehmen.
Was muss ich tun?
Mancher Stress im Leben kommt auch von der Vorstellung, erst durch Macht und Einfluss Wert und Bedeutung zu erlangen. Der innere Weg befreit von dem Zwang, den eigenen Selbstwert über äußere Werke und Erfolge herstellen zu müssen. Wir lernen, Aufgaben abzugeben, uns Auszeiten zu gönnen und achtsam mit uns und der Welt umzugehen. Gelassenheit, Geduld und Barmherzigkeit uns und anderen gegenüber können wachsen.
Für ein neues Gesicht dieser Erde.
Ein spiritueller Weg ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit für unsere Menschwerdung. Schädliche Tendenzen wie Gier (Was muss ich haben?), Verblendung (Wie muss ich sein?) und Leistungszwang (Was muss ich tun?) werden geläutert. Unser Bewusstsein öffnet sich für die Gegenwart einer bedingungslosen Liebe, und essenzielle Kräfte, wie Vertrauen, Liebe und Gelassenheit, werden gestärkt. Wir werden im eigentlichen Sinne Person, d.h. wir werden transparent, durchlässig (von lt. personare = hindurchklingen) für unseren göttlichen Wesenskern. Eine tiefgreifende Transformation findet statt. Sie hilft nicht nur uns, unser Menschsein zu verwirklichen, sondern gibt auch unserer Gesellschaft ein menschliches, ein barmherziges Gesicht.



